Du oder Sie? Die passende Anrede klären
Frage nach der passenden Anrede, reagiere auf ein Angebot zum Duzen und schreibe Sie, Ihnen und Ihr richtig. Mit Dialog und Übungen für B1.
B1 3 Min. Lesezeit Frei zugänglichLernziel
Du kannst in einem neuen Kontakt nach der passenden Anrede fragen, auf ein Angebot zum Duzen reagieren und einen Wunsch nach dem Siezen ausdrücken. In Nachrichten schreibst du die höflichen Anredeformen Sie, Ihnen und Ihr richtig.
Zwei Formen der Anrede
Wenn du eine Person mit du ansprichst, duzt du sie. Mit Sie siezt du sie. Die Verbform ändert sich mit:
| du | Sie |
|---|---|
| Hast du eine Frage? | Haben Sie eine Frage? |
| Kannst du mir helfen? | Können Sie mir helfen? |
| Ist das dein Heft? | Ist das Ihr Heft? |
Sie kann eine einzelne Person oder mehrere Personen höflich ansprechen: „Frau Sommer, haben Sie Zeit?“ und „Frau Sommer und Herr Weber, haben Sie Zeit?“ Die Verbform bleibt hier gleich.
Auf die Situation achten und nachfragen
In einem Freundeskreis kann das Du üblich sein; bei einem neuen formellen Kontakt kannst du zunächst Sie verwenden. Auch am Arbeitsplatz gibt es unterschiedliche Gewohnheiten. Eine Firma kann intern duzen und im Kontakt mit Kundinnen und Kunden siezen. Alter, Kleidung oder ein Vorname allein geben dir keine sichere Antwort.
Wenn du unsicher bist, kannst du die Anrede freundlich klären:
- „Wie möchten Sie angesprochen werden?“
- „Sagen wir du oder Sie?“
- „Ist es für Sie in Ordnung, wenn wir uns duzen?“
Ein Angebot wie „Wir können uns gern duzen“ ist noch eine Frage der gegenseitigen Verständigung. Du kannst zustimmen: „Gern, ich bin Alex.“ Wenn du lieber beim Sie bleiben möchtest, passt zum Beispiel: „Danke für das Angebot. Ich würde gern beim Sie bleiben.“ Respektiere auch die Antwort der anderen Person.
Ein Gespräch im Nachbarschaftsprojekt
Die Personen und die Situation sind erfunden. Alex und Frau Sommer treffen sich zum ersten Mal.
Alex: Guten Tag, Frau Sommer. Ich bin Alex Weber. Ich helfe heute zum ersten Mal mit.
Frau Sommer: Willkommen! Wir können uns gern duzen. Ich bin Nora.
Alex: Gern, Nora. Kannst du mir zeigen, wo die Stühle stehen?
Nora: Ja, komm mit.
Alex wechselt nach dem Angebot und der eigenen Zustimmung zu du. In einer anderen Situation kann die Antwort anders ausfallen. Du musst aus diesem Beispiel keine Regel für alle Nachbarschaftsprojekte ableiten.
In Nachrichten: groß oder klein?
Die höfliche Anrede und ihre zugehörigen Formen schreibst du groß: „Können Sie mir Ihre Telefonnummer geben? Ich schicke Ihnen die Informationen.“ Das gilt auch mitten im Satz.
du, dir und dein schreibst du normalerweise klein. In persönlichen Briefen und E-Mails ist auch die Großschreibung möglich. In unseren Beispielen verwenden wir die Kleinschreibung. Achte außerdem auf den Unterschied: „Ich frage Frau Sommer, ob sie Zeit hat.“ Hier wird über Frau Sommer gesprochen; sie ist keine höfliche Anrede.
Übung 1: Den Wechsel verstehen
- Welche Aussage stimmt? A: Alex duzt Nora nach einem Angebot und seiner Zustimmung. B: Alex duzt Nora nur deshalb, weil sie im selben Projekt arbeiten.
- Frau Sommer bietet dir das Du an. Du möchtest beim Sie bleiben. Formuliere eine freundliche Antwort.
Übung 2: Eine Anrede durchhalten
Du sprichst eine Person mit Sie an. Verbessere diesen Satz:
„Haben Sie kurz Zeit? Kannst du mir den Raum zeigen?“
Übung 3: Groß oder klein?
Wähle die passende Form. In beiden Sätzen stehen die Lücken mitten im Satz.
- Du schreibst direkt an Herrn Klein: „Ich danke ___ für ___ Nachricht.“ (Ihnen/ihnen; Ihre/ihre)
- Du erzählst über Nora: „Heute sagt Nora, dass ___ später kommt.“ (Sie/sie)
Übung 4: Die Anrede klären
Du beginnst ein Gespräch in einem neuen Projekt. Du kennst die gewünschte Anrede noch nicht. Schreibe eine Frage, mit der du sie klärst. Schreibe danach zwei mögliche Antworten: eine Zustimmung zum Duzen und einen Wunsch nach dem Siezen.
Lösungen und Erklärungen
Übung 1
- A. Nora bietet das Du an und Alex nimmt es an. Der gemeinsame Ort allein entscheidet die Anrede nicht.
- Zum Beispiel: „Danke für das Angebot. Ich würde gern beim Sie bleiben.“ Du bedankst dich und nennst deine Präferenz, also deinen Wunsch.
Übung 2
„Haben Sie kurz Zeit? Können Sie mir den Raum zeigen?“ Beide Fragen verwenden jetzt die vereinbarte Anrede. Zu Sie passt können.
Übung 3
- „Ich danke Ihnen für Ihre Nachricht.“ Beide Formen beziehen sich auf die direkt angesprochene Person.
- „Heute sagt Nora, dass sie später kommt.“ Du berichtest über Nora und sprichst sie hier nicht an.
Übung 4
Eine mögliche Lösung: „Sagen wir du oder Sie?“ – „Wir können uns gern duzen. Ich bin Sam.“ Oder: „Ich möchte gern beim Sie bleiben.“ Andere Formulierungen sind möglich. Prüfe: Ist die Frage offen? Ist bei jeder Antwort klar, welche Anrede die Person möchte?
Jetzt du
Wähle einen erfundenen neuen Kontakt. Schreibe zuerst eine Frage mit Sie. Stelle dir danach vor, ihr habt das Du vereinbart, und schreibe dieselbe Frage mit du. Markiere die veränderten Wörter. Übe anschließend eine kurze Antwort für den Fall, dass du selbst lieber gesiezt werden möchtest.
Weiterüben
Formuliere höfliche Bitten mit könnten und würden oder verwende die Anrede in einer kurzen E-Mail. Wie ein anderes kleines Wort den Gesprächston beeinflusst, übst du mit doch.
Quellen zur Vertiefung
- Goethe-Institut: Im Arbeitsalltag kommunizieren – zur unterschiedlichen Verwendung von du und Sie in Firmen und Branchen.
- Amtliches Regelwerk, §§ 65–66, beim Leibniz-Institut für Deutsche Sprache – zur Schreibung der Anredepronomen.
Erklärungen, Dialog und Aufgaben wurden für diese Lektion formuliert. Die Quellen erläutern den Sprachgebrauch und die Rechtschreibung.